Freitag, 12. September 2008

Hamilton will Ferrari ins Herz treffen

Vor dem Großen Preis von Italien in Monza ist die Stimmung aufgeheizt: McLaren-Mercedes und Lewis Hamilton fühlen sich durch die Aberkennung des Sieges beim Großen Preis von Belgien ungerecht behandelt. Deshalb gilt jetzt nur eines: In der Heimat von Ferrari wollen die Silbernen zurückschlagen.Monza braucht kein eigenes Motto. Wenn die Formel 1 ins Autodromo Nazionale kommt, wo das Herz Italiens rast, gilt automatisch: Il Spettacolo! Beim Großen Preis von Italien, dem Europaabschied für diese Saison, kochen noch einmal alle Rivalitäten des ganzen Rennjahres hoch. Und immer ist dabei Ferrari verwickelt. Brisanter als an diesem Wochenende geht es eigentlich kaum: Nur fünf Tage, nachdem Lewis Hamilton in Belgien wegen seines umstrittenen Überholmanövers nachträglich der Sieg aberkannt und dieser Felipe Massa zugesprochen wurde, kommt es zur Revanche. Die wird nicht allein auf der schnellsten Strecke im Kalender ausgetragen – die Ausweitung der Kampfzone schließt das Fahrerlager im Königlichen Park mit ein.

Just in dem Moment, in dem der nachträglich um den Sieg gebrachte Lewis Hamilton seine Sichtweise der Dinge darlegt, verschwindet die Sonne über dem Königlichen Park von Monza. Das strahlende Silber der noblen Behausung von McLaren-Mercedes im Fahrerlager wird zu einem stumpfen Grau. Kriegsschiffgrau. Aber drinnen ist es friedlich, wenn jemand das Wort "Skandal" in den Mund nimmt, flüstert er es nur. Zwei Ingenieure tun sich an italienischer Pasta gütlich, das wird trotz aller Differenzen mit Ferrari ja noch erlaubt sein. Ein Conferencier kündigt das verbale Warm-Up zum Abschied der Europasaison an: "Bringt ihn herein!" Die Stimmung heizt sich auf. Rote Ecke, silberne Ecke. Wie gehabt. Von jetzt an wird mit härteren Bandagen gekämpft, die Rennkommissare letzten Sonntag in Belgien haben mit ihrer Zeitstrafe für Hamilton im Überholduell mit Kimi Räikkönen nicht gerade zur Deeskalation beigetragen.
Formel 1 zwischen Verfolgungswahn und VerschwörungstheorienDie Formel 1 zwischen Verfolgungswahn und Verschwörungstheorien, da fühlt sie sich am wohlsten. Den offiziellen Ferraristi ist wichtig, dass die Kommissare des Automobilweltverbandes auf eigene Initiative ermittelt haben, als Hamilton die Bus-Stop-Schikane in Spa abkürzte. Angeblich soll es aber doch eine E-Mail vom roten Kommandostand aus gegeben haben. McLaren-Mercedes wiederum verweist darauf, man habe von Renndirektor Charlie Whiting bestätigt bekommen, dass Hamilton sich korrekt habe zurückfallen lassen. So geht das jetzt seit Tagen, eigentlich sogar seit Jahren. Schon vor dem Spionageskandal im letzten Herbst haben sich die beiden dominierenden Rennställe des letzten Jahrzehnts das Leben auch neben der Piste immer schwer zu machen versucht.McLaren-Mercedes hat inzwischen offiziell Protest gegen die Entscheidung der Stewards eingelegt, Hamilton 25 Strafsekunden für das Abkürzen einer Schikane und die daraus resultierende Vorteilsnahme aufzubrummen. Großzügig wie der Automobilweltverband Fia auf seine Art sein kann, soll über den Einspruch noch vor Saisonende beraten werden, vielleicht sogar schon vor dem nächsten Rennen in Singapur. Das wäre klug, bevor die Spekulations-WM überhand nimmt. Allerdings urteilen die Berufungsrichter selten, und nur bei klarer Faktenklage anders als die Tatsachenentscheider an der Piste. Genau diese Fakten sind umstritten. Einstweilen müssen sich ohnehin alle am aktuell korrigierten Punktestand orientieren, Lewis Hamilton führt vor dem 14. von 18 Läufen nur noch mit 76:74 Punkten vor Massa – statt mit 80:72. Auf Messers Schneide!
Hohn und Spott für RäikkönenLewis Hamilton versucht im Rahmen seiner Ein-Mann-Talkshow alles, um den Eindruck von Revanchismus zu vermeiden. Am glaubwürdigsten ist der WM-Führende aber, wenn er mit fester Stimme und ebensolcher Überzeugung sagt: "Ich will sicherstellen, dass das Urteil keine Auswirkung auf meine Titelchancen hat. Deshalb werde ich weiterhin attackieren!" So paradox, so kontrovers erscheint die Formel-1-Welt: Der laut Regelhütern unzulässige Vorteil, den sich Hamilton verschafft haben soll, gerät plötzlich zum Sympathiebonus. McLaren-Mercedes kann sich, egal wie die restlichen fünf Rennen ausgehen, bereits wie ein moralischer Champion feiern lassen. Hamilton findet, juristisch gut vorbereitet, im verbalen Warm-up von Monza die Ideallinie zwischen Kampfansage und (bitterem) Spott. Über das ursächliche Manöver mit Kimi Räikkönen höhnt er: "Wenn er nicht den Mut hat, spät zu bremsen, ist das sein Problem. So fährt er eben." Der Weltmeister ein Frühbremser? An Räikkönen perlt die Anmache ab: "Es gibt Regeln auf der Strecke. Aber ich bin froh, dass ich nicht derjenige bin, der sie interpretieren muss. Ansonsten kann jeder seine Meinung haben, das kümmert mich nicht."

In einem angenehmen Sarkasmus urteilt Hamilton auch über den entscheidenden Punkt bei seiner Verurteilung – wie weit er sich nach seiner Abkürzung hinter dem Finnen hätte zurückfallen lassen müssen: "Vielleicht eine ganze Runde...?" Unter den Piloten bekommt Hamilton längst nicht so viel Verständnis wie von einer breiten Masse der Fans und der Kommentatoren. Der alte Rivale Fernando Alonso ließ - wenig überraschend - ausrichten, dass Auslaufzonen der Sicherheit dienen und nicht zum Überholen da sein sollten... Allerdings halten die meisten Fahrer das Strafmaß für zu hart. Um die Moral der Truppe von McLaren-Mercedes zu heben, sind am Montag alle Mitarbeiter versammelt worden. Tenor der Ansprache: "Wir dürfen uns durch nichts ablenken lassen. Aber wir dürfen trotzdem zeigen, dass uns Unrecht getan wurde." Jetzt erst recht, das macht Hamilton perfekt: "Ich hege keinerlei Rachegefühle. Und ich werde auch nichts an meiner Herangehensweise an dieses Rennen ändern. Ich werde mir das Herz aus dem Leib fahren..."Für den Großen Preis am Sonntag ist wieder Regen angesagt, am Freitag musste schon das erste Training abgebrochen werden, weil die Boxen voll gelaufen waren. Und nach der Startgeraden kommen gleich zwei Schikanen, in denen sich prima abkürzen lässt. Macht nur weiter so!

Quelle: stern.de

Kopenhagens Wahrzeichen soll nach China

Für Kopenhagen-Touristen ist die Kleine Meerjungfrau ein Pflicht-Fotomotiv. Doch bald soll die Skulptur zur Weltausstellung nach Shanghai gebracht und durch eine Kopie ersetzt werden. Die Erbenfamilie des Künstlers erwägt rechtliche Schritte.

Kopenhagen - Der geplante zeitweilige Umzug der Kleinen Meerjungfrau von Kopenhagen nach China stößt auf wenig Gegenliebe in Dänemark. Wie die Zeitung "Politiken" am Freitag berichtete, haben unter anderem die Erben des Schöpfers von Kopenhagens weltberühmtem Wahrzeichen dagegen protestiert, dass die Bronzestatue zur Shanghaier Weltausstellung 2010 nach Fernost verpflanzt werden soll

Kurz nach dem 95. "Geburtstag" der 1913 am Kopenhagener Langelinie-Kai enthüllten Nackten mit Flossen schreibt der Kommentator in "Politiken", es komme ja auch niemand auf die Idee, die New Yorker Freiheitsstatue abzumontieren und für eine Ausstellung nach China zu verschiffen.
Dass die Figur nach dem gleichnamigen Märchen von Hans-Christian Andersen nur 1,25 Meter misst - im Vergleich zu 46 Metern für die Freiheitsstatue (ohne Sockel) -, mildert die dänische Empörung über die Entscheidung des Stadtrates nicht.

"Die Jungfrau gehört nach Kopenhagen. Ich bin richtig traurig", meint Erlin Eriksen, Enkel des Bildhauers Edvard Eriksen, der die Jungfrau nach dem Körper seiner Ehefrau Eline und dem Kopf einer Balletttänzerin modelliert hatte. Die Erbenfamilie erwägt rechtliche Schritte. Während der Abwesenheit der Originalstatue soll eine Kopie als Objekt für jährlich mehr als eine Million fotografierende Kopenhagen-Touristen auf den Steinblock im Wasser gesetzt werden.

sto/dpa

Alle Geschworenen sind weiß

Nach langem Hin und Her stehen die Geschworenen im Raubprozess gegen O.J. Simpson fest. Unter den zwölf Frauen und Männern, die ab Montag vor einem Gericht in Las Vegas über das Schicksal des Ex-Footballstars entscheiden sollen, befinden sich ausschließlich Weiße - Simpsons Verteidigung ist empört.Die schwierige Auswahl der Geschworenen für den Raubprozess gegen den früheren US-Footballstar O.J. Simpson ist abgeschlossen. Nach viertägigen Beratungen wählte das Gericht in Las Vegas am Donnerstagabend (Ortszeit) aus rund 250 Kandidaten neun Frauen und drei Männer aus, die ab Montag über Simpsons Schicksal entscheiden werden. Alle sind weißer Hautfarbe, lediglich unter den sechs Ersatzgeschworenen befinden sich ein schwarzer Mann und eine schwarze Frau, wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet. Im spektakulären Mordprozess gegen Simpson vor 13 Jahren waren neun der Geschworenen Schwarze gewesen. Damals wurde der ebenfalls afroamerikanische Ex-Sportler freigesprochen. Das Urteil ist bis heute umstritten.

Die Auswahl der Geschworenen für den aktuellen Fall gestaltete sich dieses Mal besonders schwierig, da viele Kandidaten noch von dem Mordprozess vor 13 Jahren beeinflusst waren. Von den ursprünglich 500 Kandidaten schieden laut CNN mehr als die Hälfte bereits nach einer ersten schriftlichen Befragung aus. Simpsons Verteidigung warf der Anklage vor, beim Auswahlverfahren gezielt Schwarze ausgeschlossen zu haben. Richterin Jackie Glass wies die Vorwürfe jedoch zurück.Am kommenden Montag soll in Las Vegas der eigentliche Prozess mit den Eröffnungsplädoyers von Anklage und Verteidigung beginnen. Seine Dauer wurde auf rund fünf Wochen veranschlagt. Der ehemalige Footballstar muss sich wegen des Verdachts auf bewaffneten Raubüberfall verantworten. Dem 61-Jährigen wird vorgeworfen, vor einem Jahr zusammen mit fünf Komplizen das Zimmer zweier Andenkenhändler in einem Hotel in der Spielerstadt gestürmt und unter Androhung von Waffengewalt die Herausgabe persönlicher Erinnerungen im Wert von 100.000 Dollar gefordert zu haben. Simpson, der seine Unschuld beteuert, droht lebenslange Haft.

joe/AFP

Großdemo für VW-Gesetz

Rund 40.000 Beschäftigte des Volkswagen-Konzerns haben am Freitag in Wolfsburg nach Gewerkschaftsangaben für den Erhalt des VW-Gesetzes demonstriert. "Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr VW-Gesetz", sagte der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber. Das im Mai vom der Bundesregierung verabschiedete VW-Gesetz sieht Sonderrechte für die Arbeitnehmer und das Land Niedersachsen bei wichtigen Konzernentscheidungen vor. EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy hatte am Dienstag eine neue Klage gegen das Gesetz vor dem Europäischen Gerichtshof angekündigt. Auch der Autobauer Porsche, der vor der Übernahme von VW steht, ist gegen das Gesetz. Die Teilnehmer der Kundgebung versammelten sich auf dem Werksgelände vor dem Konzernsitz, wo gleichzeitig der Aufsichtsrat tagen sollte. Nach Angaben der IG Metall kamen Beschäftigte aus allen VW-Standorten aus Deutschland und aus vielen Standorten in Europa nach Wolfsburg. Huber rief: "Engstirnige Neoliberale à la McCreevy zerstören die Zukunft Europas, weil sie mit ihren Entscheidungen die Ablehnung der Menschen organisieren." Der Porsche-Führung warf Huber vor, VW beherrschen zu wollen. Auch der DGB-Vorsitzende Michael Sommer erschien überraschend auf der Rednertribüne.

Quelle: n-tv.de

Großhandelspreise gebremst

Der Preisauftrieb im deutschen Großhandel hat sich im August unerwartet deutlich abgeschwächt. Die Preise lagen um 7,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist der geringste Anstieg seit April. Im Juli hatte es mit 9,9 Prozent noch das höchste Plus seit Ende 1981 gegeben. Volkswirte hatten mit einem Rückgang der Teuerungsrate auf 8,8 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Preise um 1,8 Prozent und damit deutlicher als erwartet. Billiger wurden vor allem Benzin, Diesel und andere Mineralölprodukte sowie Kohle und weitere feste Brennstoffe. Sie kosteten im Schnitt 7,4 Prozent weniger als im Juli. Auch Obst, Gemüse und Kartoffeln verbilligten sich mit 3,1 Prozent deutlich. Die Preise im Großhandel gelten als Indikator für die künftige Inflationsentwicklung, weil der Einzelhandel und andere Abnehmer einen Teil der Preisveränderungen an die Verbraucher weiterreichen.

Quelle: n-tv.de

1,5 Millionen Euro Strafe

Der Lebensmitteldiscounter Lidl soll für die Bespitzelung von Mitarbeitern teuer bezahlen. Datenschützer mehrerer Bundesländer verlangen fast 1,5 Mio. Euro Bußgelder von dem Unternehmen, wie die federführende Datenschutzbehörde am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Alle 35 Regionalgesellschaften des Discounters in Deutschland seien betroffen. Eine Lidl-Sprecherin sagte: "Es ist davon auszugehen, dass die Bußgelder akzeptiert werden." Erste Bescheide seinen bereits eingegangen und angenommen worden. Hauptvorwurf der Datenschützer ist, dass Lidl-Gesellschaften Detektive damit beauftragt haben, die Verhaltensweisen von Mitarbeitern zu überwachen. "Die Protokolle gehen teilweise weit in den privaten Bereich hinein", sagte der Leiter der Datenschutzaufsichtsbehörde im baden-württembergischen Innenministerium, Günter Schedler. Detektive hätten beispielsweise persönliche Probleme von Mitarbeitern, ihre finanzielle Situation sowie Informationen zum Gesundheitszustand notiert. Die gegen die einzelnen Gesellschaften verhängten Bußgelder liegen den Angaben zufolge zwischen 10.000 und 310.000 Euro. Ein Schwerpunkt sei Niedersachsen, dort werden Bußgelder in Höhe von mehr als 650.000 Euro gefordert, sagte Schedler. In dem Bundesland seien besonders viele Protokolle mit sehr persönlichen Inhalten festgestellt worden. Die Datenschützer aus zwölf Bundesländern bemängeln außerdem den heimlichen Einsatz von Kameras zur Überwachung von Mitarbeitern sowie das Fehlen betrieblicher Datenschutzbeauftragter. Lidl will Strafe akzeptieren Lidl hatte im Vorfeld bereits angekündigt, die Sanktionen "mit großer Wahrscheinlichkeit und ohne Widerspruch" zu akzeptieren. Gleichzeitig betonte Lidl, seine Mitarbeiter nicht flächendeckend und systematisch überwacht zu haben. Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich zufrieden mit dem Bußgeld. "Eine Millionensumme ist auch für ein solches Unternehmen keine Petitesse", sagte Vize-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. Das Bemühen um Verbesserung des Datenschutzes sei erkennbar. Lidl sei aber längst noch kein vorbildlicher Arbeitgeber. So erschwere der Discounter weiterhin die flächendeckende Gründung von Betriebsräten, sagte Mönig-Raane weiter. Das zeige, dass in der Haltung der Unternehmensleitung gegenüber ihren Angestellten einiges nicht in Ordnung ist." Bei Lidl herrsche weiterhin eine "verschlossene und misstrauische Atmosphäre".

Quelle: n-tv.de

Mexikanischer Mogul steigt ein

Der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim ist beim börsennotierten Verlag der renommierten US-Zeitung "New York Times" eingestiegen. Der zu den reichsten Menschen der Welt zählende Slim kaufte einen Anteil von 6,4 Prozent an dem Traditionshaus, das von der Herausgeberfamilie Ochs-Sulzberger kontrolliert wird. Der Verlag leidet unter einem sinkenden Aktienkurs und rückläufigen Anzeigenerlösen im Printgeschäft. Mit Slims überraschender Beteiligung steigt der Druck auf die Herausgeberfamilie. Erst im Frühjahr hatte sie den Finanzinvestoren Harbinger Capital und Firebrand Partners zwei Sitze im Verwaltungsrat einräumen müssen. Die Investmentfirmen sind nach der Familie die größten Aktionäre und fordern einen Kurswechsel für höhere Gewinne. Slim ist mit seinem Anteil nun einer der größten Aktionäre. Offen ist, ob er sich in die laufenden Geschäfte einmischen will oder allein auf einen Kursgewinn spekuliert. Der Unternehmer Slim ist laut einer Liste des US-Magazins "Forbes" mit einem geschätzten Vermögen von rund 60 Mrd. Dollar (43 Mrd. Euro) der zweitreichste Mensch der Welt hinter US-Investor Warren Buffett. Er kontrolliert unter anderem Südamerikas führenden Mobilfunkprovider América Móvil. Die "NYT"-Gruppe, zu der auch der "Boston Globe" und andere US-Blätter gehören, verlor binnen Jahresfrist fast 30 Prozent ihres Börsenwerts. Erstmals in ihrer Geschichte baute sie in diesem Jahr Stellen in der Redaktion ab. Unter Druck steht die Traditionszeitung zudem durch das von Medienmogul Rupert Murdoch übernommene "Wall Street Journal", das der "New York Times" verstärkt Konkurrenz machen will.

Quelle: n-tv.de

Postbank wird teurer

Die Deutsche Bank muss für ihren Einstieg bei der Postbank Finanzkreisen zufolge tiefer in die Tasche greifen als zuletzt erwartet. Mehrere mit der Vereinbarung vertraute Personen sprachen von einem Kaufpreis für den knapp 30-prozentigen Anteil von 2,7 bis 2,8 Mrd. Euro. Die größte deutsche Bank zahle der Deutschen Post um die 57 Euro je Aktie, was mehr als zehn Euro über dem aktuellen Kurs läge. Damit würde die Postbank insgesamt mit mehr als neun Mrd. Euro bewertet. Analysten hatten zuletzt einen Preis von lediglich gut 50 Euro erwartet. Die Post lud für 14.00 Uhr zu einer Pressekonferenz nach Bonn ein. Nach Medieninformationen werden Post-Chef Frank Appel und seine Deutsche-Bank-Kollege Josef Ackermann gemeinsam auftreten. Alles läuft nach Angaben aus Finanzkreisen auf einen Verkauf in zwei Schritten hinaus. Nach dem Erwerb eines Minderheitsanteils werde die Deutsche Bank später die restlichen gut 20 Prozent der Post an der Bank kaufen und dann ein Angebot an die übrigen Aktionäre abgeben. Dies reduziere zunächst den Finanzierungsbedarf. Appel wiederum hoffe, so noch von künftigen Kurssteigerungen profitieren zu können. Experten erwarten wegen der Übernahme auf Raten vorerst keine größeren Stellenstreichungen. Die Gewerkschaft Verdi rechnet dagegen über kurz oder lang mit dem Abbau tausender Arbeitsplätze. Deutsche Bank vergrößert Abstand Die Preisfrage war in den Verhandlungen der Post mit der Deutschen Bank bis zuletzt der Hauptknackpunkt. Ursprünglich hatte der Logistikkonzern einen zweistelligen Milliardenbetrag angepeilt, doch der Postbank-Aktienkurs ist in den vergangenen Monaten vor allem im Zuge der Finanzkrise um bis zu 30 Prozent eingebrochen. Wegen auseinanderklaffender Preisvorstellungen waren die Gespräche zeitweise sogar zum Erliegen gekommen. Auch die spanische Bank Santander gab ein vorläufiges Gebot ab und zwar für die gesamte Postbank, was in letzter Minute den Preis noch einmal nach oben getrieben haben könnte. Mit dem Kauf der Postbank steigt die Deutsche Bank auch zur mit Abstand größten Filialbank in Deutschland auf. Zusammen kämen sie auf fast 25 Mio. Privatkunden, wobei ein Großteil der Postbank-Kunden als wenig aktiv gilt. Die Übernahme ist bereits die zweite große Bankenfusion in Deutschland innerhalb weniger Wochen. Ende August hatte die Commerzbank angekündigt, die Dresdner Bank für knapp zehn Mrd. Euro zu übernehmen. Wohl kein großer Jobabbau Bei einem Zusammenschluss von Deutscher Bank und Postbank würden nach Ansicht des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) weniger Arbeitsplätze wegfallen wie bei der bereits perfekten Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. Da die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft weiter ausbauen wolle, würden voraussichtlich nur wenige Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt im Zuge einer vollständigen Postbank-Übernahme das Institut verlassen müssen, prognostizierte ZEW-Wissenschaftler Matthias Köhler. Stellenstreichungen kämen mittel- bis langfristig vor allem auf die Verwaltung zu. Ohnehin habe die Gewerkschaft Verdi kürzlich für Mitarbeiter in den Postbank-Filialen einen Kündigungsschutz bis 2011 vereinbart. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet dagegen, dass bei einem Verkauf der Post-Tochter an die Deutsche Bank Tausende Arbeitsplätze verloren gehen. Bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank fallen 9000 Stellen weg, 6500 allein in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

Freiburger Polizei stoppt rumänischen Bus

Im Südwesten Deutschlands fand die Urlaubsfahrt einer rumänischen Reisegruppe ein vorläufiges Ende: Die Polizei hat ihren Kleinbus gestoppt. Knapp die Hälfte der Passagiere saß auf ungesicherten Hockern und Stühlen.

Freiburg - Freiburger Polizisten haben in der Nacht zum Freitag auf der A5 einen Kleinbus aus Rumänien gestoppt. Das Fahrzeug, in dem es nur 13 Sitze gab, war mit 25 Menschen besetzt. Zwölf von ihnen hatten Platz auf Holzstühlen und Hockern gefunden, die im Kofferraum und Mittelgang des Busses aufgestellt waren. Gesichert waren aber weder die Sitze noch die Passagiere, teilte die Polizei mit.
Das Auto eines Reiseunternehmens war auf dem Weg von Rumänien nach Spanien. Weil die Polizei den Busfahrer nicht weiterfahren ließ, musste das Reiseunternehmen einen Ersatzbus mieten. Zugelassen war der Kleinbus lediglich für 13 Fahrgäste. Er wurde aus dem Verkehr gezogen. Das rumänische Unternehmen muss nun mit einer empfindlichen Geldbuße rechnen.

car/dpa

Mittwoch, 10. September 2008

Al-Kaida oder Israel?

Sieben Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York und Washington gibt es nach einer neuen Studie in der Schuldfrage weltweit immer noch viele Zweifler. Bei einer Umfrage von WorldPublicOpinion in 17 Ländern war nur in neun Ländern eine Mehrheit davon überzeugt, dass die islamistische Terrororganisation Al-Kaida die Anschläge verübte. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern gab es einen hohen Anteil von Befragten, die Zweifel äußerten. So hätten in Deutschland immerhin 23 Prozent auf eine US-Schuld hingedeutet. 64 Prozent waren in Deutschland jedoch davon überzeugt, dass Al-Kaida-Terroristen im Auftrag Osama bin Ladens die Anschläge auf die Zwillingstürme in New York und das amerikanische Verteidigungsministerium verübten. Vor allem im Nahen Osten wurden von vielen Befragten die USA oder Israel für die Anschläge verantwortlich gemacht. In Ägypten etwa sahen 43 Prozent Israel hinter den Anschlägen, in der Türkei machten 36 Prozent die US-Regierung verantwortlich. Für die Umfrage wurden über 16.000 Menschen in 17 Ländern befragt. Bei den Flugzeuganschlägen auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium in Washington waren 2975 unschuldige Menschen ums Leben gekommen. Auch die 19 Täter starben.

Quelle: n-tv.de

Al-Kaida oder Israel?

Sieben Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York und Washington gibt es nach einer neuen Studie in der Schuldfrage weltweit immer noch viele Zweifler. Bei einer Umfrage von WorldPublicOpinion in 17 Ländern war nur in neun Ländern eine Mehrheit davon überzeugt, dass die islamistische Terrororganisation Al-Kaida die Anschläge verübte. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern gab es einen hohen Anteil von Befragten, die Zweifel äußerten. So hätten in Deutschland immerhin 23 Prozent auf eine US-Schuld hingedeutet. 64 Prozent waren in Deutschland jedoch davon überzeugt, dass Al-Kaida-Terroristen im Auftrag Osama bin Ladens die Anschläge auf die Zwillingstürme in New York und das amerikanische Verteidigungsministerium verübten. Vor allem im Nahen Osten wurden von vielen Befragten die USA oder Israel für die Anschläge verantwortlich gemacht. In Ägypten etwa sahen 43 Prozent Israel hinter den Anschlägen, in der Türkei machten 36 Prozent die US-Regierung verantwortlich. Für die Umfrage wurden über 16.000 Menschen in 17 Ländern befragt. Bei den Flugzeuganschlägen auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium in Washington waren 2975 unschuldige Menschen ums Leben gekommen. Auch die 19 Täter starben.

Quelle: n-tv.de

Neuer Streit zwischen Russland und der EU

Die EU und Russland sind sich uneins darüber, wie der aktuelle Friedensplan für Georgien ausgelegt werden soll. Die EU würde gerne Teile ihrer Beobachter-Truppen auch in Südossetien und Abchasien stationieren, Moskau ist dagegen: Nach russischer Lesart handelt es sich bei den beiden Regionen um eigenständige Staaten.
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Brüssel/Moskau/Tiflis - Zwischen der EU und Russland bahnt sich im Südkaukauskonflikt ein neuer Streit um den Einsatz der internationalen Beobachter an. Nach der Einigung zwischen Russland und der EU auf einen präzisierten Friedensplan für Georgien verlangte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Mittwoch auch den Einsatz von EU-Beobachtern in Südossetien und Abchasien. Russlands Außenminister Sergej Lawrow betonte in Moskau, dass EU-Beobachter laut dem Plan von Kremlchef Dmitri Medwedew und dem EU-Ratspräsidenten, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, dort nicht vorgesehen seien. Überschattet wurde der Streit von Berichten über einen von russischen Streitkräften erschossenen georgischen Polizisten in der Nähe von Gori. Lawrow schloss den Einsatz internationaler Beobachter in den von Georgien abtrünnigen Regionen zwar nicht grundsätzlich aus. Allerdings müssten etwaige zusätzliche Beobachtermissionen unter dem Dach der UN und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) "mit den Regierungen der neuen Staaten" vereinbart werden. Weil bisher nur Russland und Nicaragua die von Georgien abtrünnigen Regionen als unabhängig anerkannt haben, gelten direkte Verhandlungen internationaler Organisationen mit Abchasien und Südossetien aber als unwahrscheinlich. 200 EU-Beobachter sollen bis 1. Oktober Stellung bezogen habenDie EU sei der Auffassung, dass ihre Beobachter überall in Georgien - also auch in Südossetien und Abchasien - eingesetzt werden könnten, sagte Solana am Mittwoch vor dem außenpolitischen Ausschuss des Europaparlamentes. Die EU gehe davon aus, dass die internationale Konferenz, die am 15. Oktober in Genf beginnen soll, nicht nur über Sicherheit und Stabilität in der Region sowie über die Rückkehr von Flüchtlingen, sondern auch "über den Zugang von internationalen Beobachtern" reden solle. Laut dem Medwedew-Sarkozy-Plan ist der Einsatz von EU-Beobachtern bislang nur in den "Pufferzonen" vor Abchasien und Südossetien vorgesehen. Dort sollen 200 EU-Beobachter bis 1. Oktober ihre Posten bezogen haben. Die russischen Soldaten müssen demnach bis spätestens 10. Oktober aus georgischem Kernland abgezogen sein. "Das Mandat der Mission der Europäischen Union wird gerade ausgearbeitet und dürfte vom Rat der Außenminister am 15. September beschlossen werden", hieß es in einer Erklärung des französischen Außenministeriums vom Mittwoch. "Ihr Einsatz wird mit denen der OSZE und der UN abgestimmt", erklärte das Ministerium. Streit wird überschattet von Tod eines PolizistenLawrow betonte, die je 3800 russischen Soldaten in Abchasien und Südossetien hätten keinen Bezug zu einer möglichen Beobachtermission. Diese seien reguläre Streitkräfte, die für die Sicherheit der "unabhängigen Staaten" sorgen sollten. Der russische Minister wies Berichte zurück, Russland habe bei dem Treffen der EU-Spitze am Montag mit Medwedew in Moskau dem Einsatz internationaler Beobachter auch in Abchasien und Südossetien zugestimmt. Russland hatte der EU zugesichert, dass die Missionen in Abchasien und Südossetien weiter die international abgestimmte Stärke habe wie vor Kriegsbeginn. Allein in Abchasien waren nach Angaben der dortigen Führung zuletzt 165 Beobachter mit UN-Mandat stationiert. Trotz des Waffenstillstandsabkommens hat das russische Militär am Mittwoch in Georgien nach Regierungsangaben aus Tiflis einen Polizisten erschossen. Die Schüsse seien in der von Russen besetzten "Pufferzone" vor Südossetien auf einen georgischen Polizeiposten abgefeuert worden, teilten die Behörden in Tiflis mit. Russlands Außenamtssprecher Andrej Nesterenko wies die Anschuldigungen zurück. Russland und Georgien forderten eine Untersuchung des Zwischenfalls durch die Beobachter der OSZE.

(nis/dpa)


Längere AKW-Laufzeiten sollen Bürgern 40 Milliarden Euro bringen

Große Versprechungen: Die Abkehr vom Atomausstieg könnte aus Sicht der Unionsfraktion die Bürger um bis zu 40 Milliarden Euro entlasten. Diese Summe sollen Stromkonzerne bei einer Laufzeitverlängerung von ihrer gewonnen Rendite in einen Fonds einzahlen.

Berlin - Die Stromkonzerne sind nach Angaben von CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder bereit, für längere Laufzeiten ihrer Atomkraftwerke rund 40 Milliarden Euro in einen öffentlichen Fonds abzuführen. "Gehen Sie mal davon aus, dass diese Größenordnung abgesichert ist", sagte Kauder am Mittwoch zum Auftakt einer Klausurtagung des Fraktionsvorstands in München. Die Stromkonzerne hätten bereits signalisiert, dass sie bereit seien, von zusätzlichen Gewinnen etwas an die Stromkunden zurückzugeben.

Die Laufzeitverlängerung führt zu einer zusätzlichen Rendite von etwa fünf Milliarden Euro pro Jahr", sagte Kauder. Bei einer um zehn bis 15 Jahre längeren Betriebsdauer für die noch laufenden 17 deutschen Atomkraftwerke seien dies bis zu 75 Milliarden Euro zusätzliche Gewinne.
Die Union will aus dem 40-Milliarden-Euro-Fonds Energiesparvorhaben und andere Maßnahmen zur Senkung der Stromkosten fördern. Beispielsweise könnten die Subventionen für erneuerbare Energien aus diesem Topf und nicht mehr über die Strompreise mitfinanziert werden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ist empört über die Idee. Er wirft der Union "puren Atomlobbyismus" vor.
Glos und Gabriel zanken über Emissionshandel
Gabriels Wut richtet sich auch noch gegen einen weiteren Vorschlag aus dem Unionslager: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will dafür sorgen, dass ab 2013 deutlich mehr Industriezweige kostenlose Zertifikate für den Emissionshandel bekommen. Dazu sollen unter anderem die Branchen Chemie, Stahl, Kalk, Kali, Zement, Metall, Ziegel, Glas, Papier, Zucker und Textil gehören. Dies würde bedeuten, dass Ausnahmen für bis zu 80 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes der Industrie von rund 100 Millionen Tonnen pro Jahr gälten, verlautete am Mittwoch aus dem Wirtschaftsministerium in Berlin.

Er werde das "auf gar keinen Fall mitmachen", sagte Gabriel. Dies würde zu einer erneuten "Abzocke der Stromkunden" führen, denn mit dem Einstreichen solcher Zufallsgewinne der Konzerne fehle Geld, um das Energiesparen zu fördern. Gabriel will die Ausnahmen vom Emissionshandel auf wenige Bereiche wie Eisen, Stahl und Aluminium beschränken.
Bis Ende dieser Woche werde eine Einigung mit Gabriels Haus angestrebt, hieß es im Wirtschaftsministerium. Bereits am Montag müsse Deutschland gegenüber der französischen Ratspräsidentschaft seine Pläne vorstellen. Die EU-Kommission will bis Jahresende die Regeln für den Handel mit den CO2-Papieren bis 2020 unter Dach und Fach bringen.

Gabriel hat sich in dem Streit Unterstützung seitens der IG Metall gesichert. Der SPD-Politiker verkündete am Mittwoch eine klimapolitische Allianz mit der Gewerkschaft. In einer gemeinsamen Erklärung fordern Gabriel und die IG Metall, vor allem die Stromwirtschaft beim Klimaschutz hart ran zu nehmen, während das produzierende Gewerbe Vergünstigungen genießen soll. Begründung: Die Produktion soll nicht ins außereuropäische Ausland verlegt werden, wo dann ohne Beschränkung Klimagase ausgestoßen würden.
Die Allianz soll Gabriel zufolge helfen, die deutschen Forderungen auf EU-Ebene durchzusetzen. Anspruchsvolle Klimaschutzziele müssten mit "den Belangen der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft" unter einen Hut gebracht werden. "Es wäre sehr zu begrüßen, wenn sich auch andere Akteure - wie etwa der Bundesverband der Deutschen Industrie - dieser Allianz anschließen würden", forderte der Umweltminister.

ase/AP/dpa-AFX

Spendenskandal in Deutschland belastet Ministerpräsident Erdogan

Mitarbeiter eines islamischen Wohltätigkeitsvereins in Frankfurt haben vermutlich mehr als 18 Millionen Euro Spenden veruntreut. Und das bringt den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan unter Druck: Denn ein Teil des Geldes soll im Umfeld seiner Partei gelandet sein.


Berlin - Der Trailer bewegt: Man sieht Menschen mit erfrorenen Füßen, hungernde Kinder, Rentner auf Müllhalden, das Elend in Anatolien. Dann der Schnitt: Weiße Lastwagen mit dem Schriftzug des islamischen Wohltätigkeitsvereins Deniz Feneri (Leuchtturm) fahren auf eine Straße, dazu dynamische Musik. "Einige Männer, die nicht mehr wegsehen wollten, haben das Wohltätigkeitsprogramm des Jahrhunderts gegründet", sagt eine Männerstimme. Die Laster bringen Pakete zu den Menschen. Man sieht Frauen die nähen lernen, zufriedene Schulkinder und alte Menschen, die medizinisch untersucht werden.

Mit Ihrer Spende haben wir bis heute Tausende Menschen erreicht", sagt die Stimme, "und wir machen weiter, bis wir den letzten Bedürftigen auf dieser Erde erreicht haben." Pause. "Machen Sie mit?" Der Film und das eingeblendete Spendenkonto waren seit Jahren regelmäßig im türkischen Fernsehsender Kanal 7 zu sehen, der überwiegend in Deutschland gesehen wird. 21.000 Spenden gingen ein, zusammen 41 Millionen Euro.
In der Türkei führte die in Frankfurt koordinierte Spendensammlung allerdings zu einem politischen Skandal: Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gerät unter Druck, weil offenbar Deniz-Feneri-Spenden veruntreut wurden und im Umfeld von Erdogans islamisch-konservativer Regierungspartei AKP gelandet seien sollen.
Vor dem Frankfurter Landgericht stehen nun drei türkischstämmige Männer, ehemalige Funktionäre von Deniz Feneri, denen Betrug in 200 Fällen im Laufe von fünf Jahren vorgeworfen wird. Der Hauptangeklagte, ein 45 Jahre alter Mann mit deutschem und türkischem Pass, war Geschäftsführer der deutschen Sektion des Vereins. Alle drei legten bereits umfassende Geständnisse ab; dafür sollen ihre Strafen verhältnismäßig niedrig ausfallen. Sie gaben zu, mehr als 18 Millionen Euro zweckentfremdet zu haben.
Die Extramillionen sollen die Männer in bar abgehoben und zunächst in die Türkei geschafft haben, heißt es in der Anklage. Dort investierten sie offenbar in Firmen, die sie teilweise selbst gegründet hatten. So erwarben sie Immobilien, gründeten einen Taxibetrieb und ersteigerten ein Fährschiff, das zwischen Italien und der Türkei fahren sollte.
Die Medien berichten über Zusammenhänge mit der AKP
Für den politischen Skandal in der Türkei aber sorgte der Vorwurf, ein Teil der veruntreuten Gelder sei in Medien investiert worden, die der Regierungspartei AKP nahestehen.
Die angebliche Verbindung zu Ministerpräsident Erdogan wird bislang vor allem durch die Blätter und Sender der Dogan Holding verbreitet, des größten Medienkonzerns der Türkei. In Zeitungen wie "Hürriyet" und diversen Fernsehkanälen des Hauses wird aus einem Buch zitiert, in dem ein ehemaliger Mitarbeiter des islamischen Fernsehkanals Kanal 7 auspackt: "Hürriyet" berichtet von angeblichen familiären Verbindungen Erdogans zum Gründungsvorstand von Kanal 7.

Außerdem soll Erdogan persönlich am Aufbau des islamischen Senders beteiligt gewesen sei, wie bereits zuvor sein politischer Ziehvater Necmettin Erbakan, der als Islamist aus der Politik verbannt wurde. Die Medien veröffentlichten ein Foto von Erdogan und dem Vorsitzenden des dubiosen Wohltätigkeitsvereins Deniz Feneri, die sich bei einer Veranstaltung unterhalten. Erdogan selbst soll behauptet haben, den Verein nicht zu kennen.
Der Ministerpräsident hat bislang jede Verwicklung seiner Partei in den Fall bestritten. Die Mediengruppe Dogan kritisierte er scharf für ihre Berichte über den Spendenskandal und angebliche Verbindungen zur AKP. Sie seien nur eine Reaktion auf kürzliche Entscheidung der Regierung, die die wirtschaftlichen Interessen der Dogan-Gruppe störten, so Erdogan.
Die Oppositionspartei mischt sich kräftig ein
Inzwischen hat sich die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) eingeschaltet und fordert lautstark Aufklärung. Parteichef Deniz Baykal gibt unzählige Presseerklärungen zu dem Fall und versucht, den Fall politisch zu seinen Gunsten zu nutzen. Baykal wird in vielen Zeitungen damit zitiert, dass Erdogan dem Medienmogul Aydin Dogan "gedroht" habe. "Wenn ihr weiterhin ärgerliche Berichte über mich bringt, werdet ihr noch sehen, was ich mit euch mache", soll Erdogan gesagt haben.
Damit versucht die laizistische Elite in der Türkei derzeit weiter, Erdogans Partei AKP als Gefahr darzustellen, die den Staat islamisch unterwandert. Zwar hat die AKP das gegen sie angestrebte Verbotsverfahren im Juli glimpflich überstanden, doch der nächste Konflikt ist längst in vollem Gang.
Der Prozess in Frankfurt könnte nach den Geständnissen schon bis Ende September abgeschlossen werden. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sollen eine Absprache getroffen haben, hieß es vor Gericht am Montag. Der Hauptangeklagte soll sechs Jahre Freiheitsstrafe bekommen, seine beiden Mittäter drei Jahre beziehungsweise eine Bewährungsstrafe. Weitere Verfahren, etwa wegen Steuerdelikten, will die Staatsanwaltschaft im Rahmen des Deals einstellen.
Für die islamischen Spender in Deutschland mag das ein Trost sein. Auch, dass ein großer Teil der Spendengelder offenbar tatsächlich bei den Bedürftigen angekommen ist. Ein bitterer Nachgeschmack wird aber bleiben.

Quelle: spiegel.de

Auf der Jagd nach dem Goldmacher

Das FBI jagt ihn, weil er dafür gesorgt haben soll, dasss bei den Olympischen Spiele in Salt Lake City Goldmedaillen nach seinem Gutdünken verliehen wurden. Doch der Russe Alimschan Tochtaschunow lebt in seiner Heimat völlig unbehelligt. Er verhöhnt die Fahnder sogar mit Fernseh-Interviews.Es war der 11. Februar 2002, als der olympische Geist arg gebeutelt wurde. Bei den Winterspielen in Salt Lake City in den USA ging es im Eiskunstlauf-Paarwettkampf um alles, um Gold. Es war ein packendes Duell zweier Paare, der Russen Jelena Bereschnaja und Anton Sicharulidze und der Kanadier Jamie Sale und David Pelletier. Doch dann schien alles klar, denn Sicharulidze, der Russe, erlaubte sich bei der Landung nach einem Doppel-Axel einen kleinen Ausrutscher. Die Kanadier dagegen boten eine annähernd perfekte Leistung. Das Publikum feierte sie als Sieger.Was dann folgte, war für das Publikum in aller Welt eine faustdicke Überraschung: Das Kampfgericht entschied sich mit fünf zu vier Stimmen für die Russen. "Ich fühlte mich fast so, als ob mein Herz aus meiner Brust gerissen würde", beschrieb die unterlegene Kanadierin Sale später ihre Empfindungen.

Eine Kampfrichterin gestandDass die Russen ihren Sieg durch Betrug errungen haben könnten, wurde erst am Tag nach der kontroversen Entscheidung ruchbar. Die französische Kampfrichterin Marie-Reine Le Gougne gestand, dass sie vom Chef ihres nationalen Eissportverbandes unter Druck gesetzt worden sei, sich für die Russen zu entscheiden. Zwar nahm sie ihre Aussage schnell zurück, doch da war es schon zu spät. Olympia hatte seinen Manipulationsskandal. Die Organisatoren der Spiele bemühten sich um rasche Wiedergutmachung - und verliehen auch den Kanadiern Goldmedaillen. Seither fahnden die US-Behörden nach den Drahtziehern der angeblichen Olympia-Schieberei.

Der entscheidende Hinweis kam aus ItalienSeit dem Sommer 2002 jagen die Amerikaner einen konkreten Verdächtigen: Alimschan Tochtaschunow, heute 59, ein russischer Geschäftsmann und angeblicher Mafioso, soll die Vergabe der Goldmedaille in Salt Lake City aus der Ferne arrangiert haben. Das FBI erwirkte in New York einen Haftbefehl gegen den Russen. Dass Tochtaschunow hinter dem Eiskunstlauf-Skandal stehen könnte, war dabei eher zufällig aufgefallen: Die italienische Finanzpolizei "Guardia di Finanza", die nach Steuersündern und illegalen Geldgeschäftemachern fahndet, hörte den Russen in seinem Domizil in der Toskana wegen des Verdachts auf Geldwäsche ab. Dabei sei ihr zu Ohren gekommen, wie Tochtaschunow am Telefon über die Einflussnahme auf die Eiskunstlauf-Jury in Salt Lake City berichtet habe. Die Italiener gaben die Beweise an ihre amerikanischen Kollegen weiter. Sie klagten "Taivanchik", "den kleinen Taiwanesen", wie Tochtaschunow wegen seines asiatischen Aussehens genannt wird, in fünf Punkten an - auf jeden steht eine Höchststrafe von fünf Jahren. Hauptsächlich geht es dabei um Betrug im olympischen Wettkampf.

Tochtaschunow habe einen Deal eingefädelt, der vorsah, dass die Russen im Eiskunstlauf und die französischen Teilnehmer im Eistanz Gold gewinnen würden - glaubt zumindest das FBI. Er selbst habe sich erhofft, dass die einflussreichen französischen Vertreter ihm nach diesem Geschäft helfen würden, ein neues Visum für Frankreich zu erwerben, wo er andere zwielichtigen Geschäfte vorantreiben wollte.Doch auch sechs Jahre später hat man den Russen noch nicht vor einem US-Gericht gesehen. Im Gegenteil. Der US-TV-Sportsender ESPN dokumentierte vor kurzem eindrucksvoll, wie prächtig es Tochtaschunow in Russland geht, wie ungehindert er sein Leben genießen kann, während er in den USA weiter als einer der meistgesuchten Kriminellen gilt. Die amerikanischen Reporter hatten ihn einer luxuriösen Datscha in Peredelkino südwestlich von Moskau zwei Tage lang gesprochen und gefilmt. Dabei saß der Gesuchte mitunter in einem lichtdurchfluteten Raum, bot seinen Gästen Granatäpfel und Nüsse an.
Flüchtiger mit grandiosem LebensstilFBI-Agent Dennis Bolles staunte indes nicht schlecht, als er im vergangenen April die Sendung sah. "Er hat den besten Lebensstil, den ich jemals bei einem flüchtigen Verbrecher gesehen habe", sagt der in New York arbeitende Bolles stern.de. Der Leiter der dortigen FBI-Taskforce gegen organisierte Kriminalität mit Schwerpunkt Eurasien hätte so ein Ambiente eher in der Sendung "Lifestyles of the Rich and Famous" erwartet als in einer investigativen Sportsendung, sagt er. Bolles sagt noch immer: "Die Anklage gegen Herrn Tochtaschunow ist sehr solide. Wir sind sicher, dass wir genug Beweise haben, um seine Verurteilung zu erwirken - falls er gefasst wird."

Dabei sah es am Anfang gut aus. Tochtaschunow saß in Italien im Gefängnis. Er hätte nur in die USA ausgeliefert werden müssen. Doch die Italiener weigerten sich. Zehn Monate lang kämpfte der Russe juristisch gegen seine Überstellung. Und er siegte. Auch die unterstellte Geldwäsche, derentwegen die italienische Polizei ihn überwacht hatte, führte zu keiner Verurteilung. Tochtaschunow reiste also zurück nach Russland und lebt dort wieder seit 2003 - fernab der amerikanischen Justiz, denn es gibt kein Ausliefer-Abkommen. Und Tochtaschunow sagte gegenüber ESPN zu den Beweisen, die aus Amerika gegen ihn vorgelegt wurden: "Das ist eine Lüge. Sie haben das alles erfunden." Alles, was an Dialogen in Abhörprotokollen vorliege, sei fabriziert."Die Chancen, ihn zu bekommen, sind derzeit eher gering", gibt FBI-Agent Bolles zu. Ganz bestimmt werde Tochtaschunow Russland nicht mehr unter seiner wahren Identität verlassen. Aber: "Wie es solchen Leuten in Russland oft geht, wechselt das Schicksal mit dem politischen Klima", glaubt Bolles. Zwar genieße Tochtaschunow derzeit Freiheit und soziales Ansehen, aber das bedeute keine ewige Sicherheit vor der Justiz, vor allem nicht, wenn er die Sympathien mächtiger Entscheider verliert.Trotz aller Vorwürfe gegen seine Person ist es dem 1,73 Meter großen gebürtigen Russen aus Taschkent im heutigen Usbekistan allerdings bislang bestens gelungen, dem Zugriff der Justiz zu entgehen. Nach Erkenntnissen verschiedener Ermittler soll Tochtaschunow ein Mittelsmann russischer Mafiosi sein, ein "Dealmaker". Ein sieben Jahre alter Interpol-Bericht erwähnt, der Russe spiele eine Rolle im Drogenhandel, bei illegalen Waffenverkäufen und dem Verschieben gestohlener Autos. Tochtaschunow gilt als enger Vertrauter der auch mit unschönen Schlagzeilen in Verbindung gebrachten russisch-israelischen Mogule Arkadi Gajdamak und Michail Chernay, Interpol listet zudem eine persönliche Verbindung zum notorischen Moskauer Mafia-Boss Semijon Mogilewitsch auf. Allein: Es fehlen Verurteilungen. So scheint es verständlich, dass der vermeintliche Olympia-Pfuscher noch immer Sport-Stars wie den einstigen Eishockeyhelden Pawel Bure und den ehemaligen Tennis-Weltklassespieler Jewgeni Kafelnikow zu seinen Freunden zählt. Tochtaschunow, dreimal geschieden, begann seine Karriere als Angreifer beim usbekischen Fußballklub Pakhtakor Taschkent, ehe es ihn in die damalige Sowjet-Hauptstadt Moskau zog. Nach der politischen Wende soll er sein Geld mit Glücksspiel, dem Baugewerbe und Sportpublikationen verdient haben. Ob Tochtaschunow auch bei den Sommerspielen in Peking eine Rolle spielen könnte? "Wir haben keine Informationen, dass er noch in der Absprache von Sportereignissen aktiv ist", sagt FBI-Ermittler Dennis Bolles, allerdings sei jedes größere Sportereignis heute anfällig gegenüber Gaunereien. Und Sylvia Schenk, Vorsitzende der deutschen Abteilung der Antikorruptionsinitiative Transparency International, sagt stern.de: "Durch den wachsenden Stellenwert der Wetten im Internetzeitalter spielen auch Manipulationen im Sport eine große Rolle, sei es zur Gewinnmaximierung oder zur Geldwäsche." Zwar hätten einige wenige Sportarten das Problem inzwischen erkannt und ihre Aufmerksamkeit für auffällige Wettgeschäfte gesteigert. Doch Schenk sagt auch: "Bei Sportarten mit Juroren allerdings ist die Gefahr der direkten Einflussnahme naturgemäß höher." Und solche Sportarten gab es eben nicht nur in Salt Lake City 2002.

Quelle: www.stern.de

Razzia im Rotlichtmilieu

Düsseldorf (RP) Die Kontrollen in den Bars, Cafés und Bordellen waren umfassend: 89 Personen hat die Polizei bei einer Razzia in der Nacht zu gestern überprüft, zwei von ihnen wurden festgenommen, gegen zwei weitere wurden Anzeigen gestellt.
20 Polizisten und drei Beamte von OSD und Ausländeramt waren dafür in der Szene rund um Luisen-, Scheuren- und Mintropstraße unterwegs. Auch ein bordellartiger Betrieb am Rather Broich wurde unter die Lupe der Beamten genommen. Mit dabei: Polizisten des Einsatztrupps Prios.
„Aufhellung der Szene“
Es war der zweite Schwerpunkteinsatz in dem Bereich, der seit dem Frühjahr immer wieder gezielt kontrolliert wird, so die Polizei. Weitere Einsätze gegen illegales Glücksspiel, illegale Prostitution und Drogen sollen in unregelmäßigen Abständen folgen – „und wir wollen auch, dass das in der Szene bekannt wird“, sagt Polizeisprecher Andreas Czogalla, der von „Aufhellung des Milieus“ spricht.
Bei den Verhafteten handelt es sich um einen Algerier ohne Aufenthaltsstatus, der per Haftbefehl wegen einer Straftat gesucht wurde, und einen Marokkaner, der keine Aufenthaltsberechtigung hat und abgeschoben werden soll. Angezeigt wurden eine russische Prostituierte und ein jugendlicher Algerier ohne Papiere, der dem Jugendamt übergeben wurde. „Die Ermittlungen dauern noch an“, so Czogalla, „aber wir gehen davon aus, dass alle vier über Schleuser nach Deutschland gekommen sind.“
Die Razzia richtete sich aber auch gegen die Betreiber verschiedener Einrichtungen; in mehreren Treffs fielen gewerberechtliche Verstöße auf. Insgesamt dauerte der Schwerpunkteinsatz vom Nachmittag bis weit nach Mitternacht.

(Quelle: rp-online.de)

"Diabolik" - der kranke Killer

Matteo Messina Denaro ist derzeit der aussichtsreichste Kandidat als "Boss der Bosse" der sizilianischen Mafia. Dabei verkörpert er eine neue Generation der Cosa Nostra: Extravagant, ehrgeizig - und äußerst mörderisch. Dazu passt auch sein Spitzname - "Diabolik".Als im April das Konterfei des Gangsterbosses in bunten Farben auf der Rückseite des Normannendoms von Palermo prangte, reagierten viele Menschen in der sizilianischen Hauptstadt schockiert. Im Stil von Andy Warhols Pop-Art-Porträts hatte ein Künstler mit dem Kürzel F. A. das Gesicht des gesuchten Kriminellen Matteo Messina Denaro in Gelb, Rot, Blau und Grün auf die Kirchenmauern gemalt. Als später gleichartige Werke auch noch an drei weiteren sizilianischen Orten auftauchten, schien der Mörder in den Rang eines Popstars aufgerückt.
Für Jugendliche ist er ein IdolDas künstlerische Porträt sah cool aus - doch es zeigte den mutmaßlichen Boss der Cosa Nostra, einen blutrünstigen Killer. Carlo Vizzini, Senator und Mafia-Bekämpfer im Dienste der OSZE, reagierte empört und sprach von "verrückten Mystifizierungen".


Zwar sind die Wandbilder längst überpinselt, doch den Ruf des mächtigen Managers der Mafia hat Matteo Messina Denaro längst inne. In der sizilianischen Jugend gibt es nicht wenige, die in ihm ein Idol sehen. Nachdem die sizilianische Mafia "Cosa Nostra" vor zwei Jahren ihres Überbosses Bernando Provenzano durch eine unerwartete Verhaftung entledigt wurde, galt Denaro - zu Deutsch: Geld - als ein legitimer Nachfolger. Als nächstes schnappte die Polizei im vergangenen Herbst auch noch Denaros älteren Rivalen Salvatore Lo Piccolo. So dürfte es nur noch wenig Widerstand gegen den Aufstieg des 46-Jährigen an die "Cupola", die Spitze der traditionsreichen Kriminalorganisation auf der Mittelmeerinsel geben.
"Ich könnte einen Friedhof füllen""Wenn er es noch nicht hat, so ist er doch sicher der erste Kandidat für das Amt des Kopfes der Cosa Nostra", sagt Massimo Russo, Staatsanwalt aus Palermo. Laut amerikanischem FBI ist Denaro bereits einer der einflussreichsten Drogenbarone der Welt mit guten Kontakten nach Südamerika.
Seit 1993 befindet sich Matteo Messina Denaro auf der Flucht und im Untergrund. Doch seine Taten sind in Italien fast jedem präsent. Er selbst rühmte sich gegenüber einem Freund: "Mit den Personen, die ich abgeschlachtet habe, könnte ich einen Friedhof füllen." Seinen ersten Mord beging er mit 18, inzwischen soll er mindestens 50 Menschen persönlich auf dem Gewissen haben. Darunter auch die Freundin eines Widersachers. Sie war im dritten Monat schwanger, als Denaro sie von Hand erwürgt haben soll. Eine Bluttat, die zu Denaros Spitznamen passt - "Diabolik" nennt er sich nach dem italienischen Comic-Antihelden mit dem skrupellosen Charakter. Doch der Mord an der schwangeren Frau zeigt ebenso wie die Tatsache, dass er schon vor der Ehe ein Kind mit einer anderen Frau gezeugt hatte: Denaro gehört nicht mehr der traditionellen Mafia an, die familiäre Werte und Frömmigkeit betonte. Der inhaftierte Oberboss Provenzano stand noch für die jene Generation.
Denaro - ein LebemannAllen Zeugen zufolge ist Denaro dagegen ein Lebemann. Der Spross eines Mafia-Chefs aus dem westsizilianischen Castelvetrano fiel schon früh durch die Neigung zum Luxus auf. Er trägt Rolex-Uhren, fährt gerne Porsche und kauft Markenanzüge von Giorgio Armani und Versace. Denaro gilt als Mann der Frauen, als Playboy-Don, in einem seiner Verstecke fanden die Fahnder Kaviar und Schampus. So schaffte er es sogar mit einer Ray-Ban-Sonnenbrille auf die Titelseite des auflagenstarken italienischen Wochenmagazins L'Espresso.
Gleichzeitig wird Denaro aber als Taktiker mit kühlem Kopf und Machtanspruch beschrieben. Einer, der sich in den vergangenen Jahren trotz großer Skepsis der Alten einen Platz neben Provenzano und Lo Piccolo erkämpfte. "Er ist das Bindeglied zwischen der alten und der neuen Mafia", analysiert Giuseppe Linares, Einsatzleiter der Polizei in Denaros Heimatprovinz Trapani. Seit 1989 gehört der Kriminelle der Mafia an. In den 90er-Jahren übernahm Denaro zunächst den Einflussbereich seines an einem Herztod gestorbenen Vaters, ehe er nach der Verhaftung des Mafiosos Vincenzo Virga die gesamte Provinz Trapani kontrollierte. Der Mafia-Altvordere Salvatore "Totò" Riina erkannte "Diaboliks" Wert für das organisierte Verbrechen - der Kronzeuge Antonino Giuffrè spricht von Denaro als "Riinas Juwel".
Steckt hinter vielen AnschlägenEr soll, so berichten Ermittler, schon am Mord des weltberühmten Mafia-Anklägers Giovanni Falcone 1992 in Capaci bei Palermo beteiligt gewesen sein. Als der italienische Staat 1993 härter durchgriff und Riina im Januar 1993 ins Gefängnis wanderte, setzte sich Matteo Messina Denaro mit anderen Branchengrößen zusammen. Man beschloss, die Republik an ihren verletzlichsten und stolzesten Stellen zu attackieren. Unter Denaros Führung organisierte die sizilianische Mafia Anschläge auf Kirchen und Museen in Florenz, Mailand und Rom. Zehn Menschen starben, 93 wurden verletzt, wichtige Kunstwerke zerstört. Seit 1993 soll Denaro auch als Wächter über die geheimen Archive der Mafia agieren. Geht es nach den Aufzeichnungen, die italienische Ermittler sammeln konnten, dann hält sich Denaro nicht für einen gewöhnlichen Kriminellen. "Eines Tages wird man wissen, wer auf der Seite der Vernunft gestanden hat", schrieb Denaro in einem Brief.

Doch die Mafia zeichnet sich nicht durch politische Philosophie aus, sie macht harte Geschäfte. Einer Studie des Soziologen Antonio La Spina zufolge kassiert die Cosa Nostra in der Region Palermo jährlich 175 Millionen Euro durch Schutzgeld-Erpressungen, 80 Prozent aller Unternehmer zahlen. Wer das nicht tut, muss mit einem brennenden Betrieb rechnen oder sterben. Wer baut, soll einen gewissen Prozentsatz seines Auftragsvolumens bei der Mafia "versteuern". Das Geld fließt in die Organisation - auch an die Chefs. Von inhaftierten Größen wie Lo Piccolo weiß man, dass sie sich monatlich ein Gehalt von 40.000 Euro auszahlten.
Er handelt mit Waffen, Drogen und BaumaterialienAuch Denaro ist außerordentlich geschäftstüchtig. Er handelt mit Waffen, Drogen, Baumaterialien und hat angeblich auch staatliche Großaufträge im Visier. Aus Ermittlerkreisen wird sogar von einer möglichen Allianz zwischen Cosa Nostra und der ebenfalls äußerst mächtigen kalabrischen 'Ndrangheta berichtet: Wenn Italiens Regierung tatsächlich wie geplant Milliarden in den Bau einer Brücke vom Festland nach Sizilien investiert, wollen die kriminellen Organisationen ihren Teil abhaben. Seit dem 2. Juni 1993 fahndet die Polizei mit Haftbefehl nach dem etwa 1,70 Meter kurzen Mann, der den Spitznamen "U Siccu" trägt - "der Trockene". Dreht man den Namen herum, klingt es auch passend: "ucciso" ist das italienische Wort für "getötet", aber das kann natürlich auch Zufall sein. Auch wenn der Killer sich gerne als Lebemann ausgibt, hat er doch seine körperlichen Schwächen. Aus dem linken Auge schielt er - ein Defekt, dessentwegen er sich 1994 in einer Klinik in Barcelona behandeln ließ. Ob er noch immer schielt, ist ungewiss. Zudem soll er an einer Nierenunterfunktion leiden und auf technische Hilfsmittel zur Dialyse angewiesen sein.
Niemand verrät den Mafia-BossIm April des vergangenen Jahres gab das Polizeipräsidium von Palermo ein simuliertes Fahndungsbild heraus, das zeigt, wie Matteo Messina Denaro heute aussehen könnte. "Die Beamten in der wissenschaftlichen Abteilung haben mehrere Monate damit verbracht und ausgefeilte Techniken eingesetzt, um dieses Bild zu erstellen", sagte ein Polizeisprecher. Es gibt eine Version mit und eine ohne Sonnenbrille. Die Ermittler sagen, Denaro sei ein arroganter Mensch. Zwar haben sie seit 14 Jahren auch eine internationale Fahndung ausgeschrieben. Doch erwarten sie, dass "Diabolik" weiter ganz nah am Stammsitz seiner Familie weilt. Die Polizei geht davon aus, dass er in der Gegend um Castelvetrano zwischen sicheren Häusern hin- und herzieht. Doch trotz aller Appelle der Staatsanwaltschaft hat sich noch niemand dazu hinreißen lassen, den Unterschlupf des Mafia-Bosses zu verraten.
Quelle: www.stern.de

Die Fratze der माफिया "Gomorrha"

Mit der Mafia-Romantik von "Der Pate" und "Goodfellas" hat Matteo Garrones Spielfilm "Gomorrha" nichts zu tun। Dieses Porträt einer komplett von der Mafia kontrollierten Stadt zeigt drastisch den Alltag einer Gesellschaft, die alles andere als ehrenwert ist। Hier regiert der Verrat und passiert täglich ein Mord.Mafia und Kino, das ist eine lange Geschichte, die immer wieder gerne in einem großen Missverständnis endet: Während das Kino meint, die Realität zu spiegeln, spiegeln Mafiosi - und vor allem die, die es gerne wären - das Kino. In den USA wurden Mobster wie John Gotti zuerst zu Filmhelden, und nach seinem Tod im Jahr 2002 hat seine Familie den "Mafia-Ruhm" sogar in einer Dokusoap namens "Growing up Gotti" ausgeschlachten können.
Die doppelte Spiegelung erfährt das Phänomen schließlich, wenn die fiktionale Figur Tony Soprano als postmoderner Mafioso in der erfolgreichen TV-Serie "Sopranos" vor einem Bild von Frank Sinatra seine Geschäfte erledigt. Dem Star, dem immer Verbindungen zur Mafia nachgesagt wurden, der später in "Der Pate" verewigt wird und mittlerweile als Referenz für die Verbindung von Mafia und Glamour völlig ausreicht.
Nachwuchs im "Scarface"-T-ShirtWährend Kleinkriminelle "Scarface"-T-Shirts anziehen, lassen italienische Clan-Bosse ihre Wohnzimmer dem von Tony Montana nachbauen। Mafia-Opfer verbluten jämmerlich, weil der mörderische Nachwuchs aus dem Kino das schräge Halten der Waffe übernommen hat und so nicht mehr genau trifft. Jüngster Akt im Tanz der Fakten mit der Fiktion ist die Verhaftung eines Mafioso, der in einem Film über die Mafia mitspielte, von Gefängnisinsassen erkannt wurde und nun selbst im Gefängnis sitzt. Der Film, der ihn die Freiheit kostete, heißt "Gomorrha" - und ist anders als die anderen.
"Gomorrha" kommt ohne den üblichen Mobster-Kino-Weichzeichner aus. Regisseur Matteo Garrone erzählt vom Alltag in Scampia, einem Vorort Neapels, wo die Camorra ganz real und völlig unkontrolliert herrscht. Die Geschichte ist zwar fiktional, doch bleibt Garrone hart an den Fakten. Offiziell leben hier 50.000, inoffiziell rund 80.000 Menschen. Die Stadt mit ihren Betonwohnsilos gilt als größter offener Drogenumschlagplatz der Welt. Bis zu 500.000 Euro Tagesumsatz macht jeder einzelne Clan. Jeden Tag passiert hier mindestens ein Mord.
Keine ehrenwerte GesellschaftFür den Glamour des organisierten Verbrechens hat "Gomorrha" keine Zeit। In Scampia ist das Leben so armselig wie das Geld dreckig. Bestes Bild dafür ist die andere Geldmaschine der Mafia neben den Drogen: das Müllverklappen. Würde man den Müll, den die Camorra-Familien illegal entsorgen, stapeln, entstünde ein Berg fast doppelt so hoch wie der Mount Everest. Dieser Film ist das Porträt einer Gesellschaft innerhalb einer Gesellschaft, die nach eigenen Gesetzen und Werten lebt. Ehrenwert ist sie definitiv nichtDer Mann der das alles aufgeschrieben hat und dessen Bestseller "Gomorrha" Vorlage für Garrones Film war, heißt Roberto Saviano. Sein Buch über die Strukturen und Machenschaften der Camorra ist ein Bestseller. Der Autor ist nach Morddrohungen komplett abgetaucht. Das ist die Realität.
कुएल्ले:http://www.stern.de

Die Mafia lizenziert ihr Geschäftsmodell

03. September 2008 Die Weltwirtschaft lahmt, doch eine Branche boomt wie noch nie: das organisierte Verbrechen. Ob Russenmafia, chinesische Triaden oder kolumbianische Drogenbarone - in der grenzenlosen Welt der Globalisierung boomen ihre Geschäfte.
Bis zu 20 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts stammen heute aus kriminellen Aktivitäten, schätzen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds. Diese Verbrecher sind nicht nur Räuber und Mörder, sondern „auch gute Kapitalisten und Unternehmer“, sagt der britische Experte Misha Glenny, dessen Buch über den Siegeszug des organisierten Verbrechens an diesem Mittwoch in die Buchhandlungen kommt. „Sie suchten sich ihre Partner und Märkte auf allen Kontinenten und waren in jeder Hinsicht ebenso kosmopolitisch wie Shell, Nike und McDonald's.“
Organisierte Kriminelle oder gewöhnliche Gauner?
Was unterscheidet organisierte Kriminalität von den Verbrechen gewöhnlicher Gauner? In Deutschland ist das seit 1992 sogar gesetzlich klar definiert: „Unter organisierter Kriminalität ist eine von Gewinnstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten durch mehrere Beteiligte zu verstehen“, heißt es. Die Verbrecher müssen „auf längere und unbestimmte Zeit arbeitsteilig“ zusammenarbeiten. Sie müssen geschäftsähnliche Strukturen haben, Gewalt anwenden und versuchen, „auf Politik, Medien, Justiz oder Wirtschaft Einfluss zu nehmen“.
Dabei kann organisierte Kriminalität positive Folgen haben. Als Anfang der 90er Jahre in Russland und früheren Sowjetrepubliken die staatliche Ordnung zusammenbrach, suchte die neue Klasse der Geschäftsleute schnell Schutz bei der russischen Mafia. Glenny zitiert einen Geschäftsmann aus Omsk mit den Worten: „Wir sind bereit, mit Schutzgeldern zu arbeiten, denn das kostet uns nur zehn Prozent.“ Der Staat verlangte mehr, konnte aber - anders als die straff organisierten Verbrecherbanden - nicht garantieren, dass die Unternehmen ihre Geschäfte ungestört fortsetzen können. Ohne die Mafia hätte sich die russische Variante der Marktwirtschaft so schnell nicht durchgesetzt.
Neue Geschäftsmodelle aus Russland
Dabei haben russische Verbrechergruppen gegenüber Organisationen wie der Mafia oder der Cosa Nostra einen entscheidenden Vorteil. Während in der italienischen Mafia Familienbanden eine starke Rolle spielen, wird die russische Mafia nur vom gemeinsamen Geschäftsinteresse zusammengehalten. Das lässt sie ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln: Die tschetschenische Mafia zum Beispiel wurde in Russland wegen ihrer Gewalt schnell zu einem Markennamen. Ihre Bosse nutzen das aus, um ein riesiges Franchiseunternehmen aufzubauen - McMafia orientierte sich an großen Vorbildern wie McDonald's. „Sie verkauften den Namen ,tschetschenisch' an Schutzgeldkartelle in anderen Städten“, berichtet Glenny. Die zahlten dafür und mussten zudem zusichern, bei Widerstand ebenso brutal aufzutreten wie das Original.
Ob Drogenhandel, Waffenschiebereien oder Frauenhandel - überall arbeiten organisierte kriminelle Banden arbeitsteilig in einer genau ausgearbeiteten Infrastruktur zusammen. Glenny zeigt das am Beispiel einer jungen Frau aus Moldau, Ludmilla, die zur Prostitution an ein Bordell in Israel verkauft wurde. „Als sie in Tel Aviv ankam, war sie durch die Hände von Moldauern, Russen, Ägyptern, Beduinen, russischen Juden und einheimischen Israelis gegangen“, schreibt er. Jeder verdiente an diesem Geschäft, nur Ludmilla nicht. Und ihr Albtraum hatte mit dem Transport erst begonnen.
Beliebtes Deutschland
Deutschland ist wegen seiner offenen Grenzen beim organisierten Verbrechen besonders beliebt. Die Fahnder des Bundeskriminalamtes klärten 2007 Fälle organisierter Kriminalität auf, die rund eine halbe Million Euro Schaden angerichtet hatten. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Experten rechnen mit 35 Milliarden Euro, die organisierte Verbrecherbanden in der Bundesrepublik verdienen. Durch die Öffnung der Grenzen werden auch immer mehr Banden aus dem Ausland aktiv (siehe Grafik). Dabei funktioniert die Arbeitsteilung zwischen ihnen hierzulande und weltweit immer noch entlang ethnischer Grenzen. Deutsch dominierte Gruppen sind vor allem bei der Wirtschaftskriminalität und beim Drogenhandel stark. Türkische Gruppen kontrollieren den Heroinhandel über den Balkan. Polnische Gruppen sind nach wie vor für die Verschiebung gestohlener Autos nach Osteuropa zuständig. Die Russen sind spezialisiert auf Geldwäsche.
Auf dem Vormarsch sind - wie in der Weltwirtschaft auch - die Chinesen. 60 Prozent der gefälschten Markenwaren, die auf der Welt verkauft werden, stammen aus China. 20 bis 25 Prozent der chinesischen Exporte sind Fälschungen. Ein großes Problem ist dabei, dass viele chinesische Politiker die organisierte Kriminalität und die verbreitete Korruption dulden, solange sie die Herrschaft der Kommunistischen Partei nicht gefährden.
In Japan haben chinesische Triaden schon Fuß gefasst. Die japanische Yakuza, das wohl mächtigste Schutzgeldkartell, beschäftigt wegen ihrer Rekrutierungsprobleme in der alternden Gesellschaft immer mehr Chinesen als Subunternehmer. Als Glenny einen Yakuza-Veteranen darauf ansprach, sagte der grinsend: „Wenn ich Anlageberater wäre, würde ich meinen Klienten sagen, sie sollten ihre Yakuza-Aktien verkaufen und stattdessen in die Triaden investieren.“

(Quelle: faz.net)

Pentagon bricht Milliarden-Ausschreibung ab

Das US-Verteidigungsministerium hat die 27-Milliarden-Euro-Ausschreibung über neue Tankflugzeuge zum zweiten Mal zurückgezogen. Die Behörde erklärte, sie könne den selbst gesetzten Zeitplan nicht einhalten. Das Verfahren ist politisch brisant, die Lösung des Pentagon denkbar einfach: Die nächste Regierung soll sich mit dem Problem herumschlagen.Das US-Verteidigungsministerium hat das Ausschreibungsverfahren für den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe abgebrochen. Es sei unmöglich, wie zunächst vorgesehen, bis Januar einen Zuschlag zu erteilen, teilte das Pentagon am Mittwoch mit. Um den Auftrag ringen der US-Flugzeugbauer Boeing und der europäische EADS-Konzern.

Statt der nächsten Regierung einen "unvollständigen und möglicherweise umstrittenen Prozess" zu übergeben, wolle Verteidigungsminister Robert Gates ihr "volle Flexibilität" in dem Verfahren ermöglichen, hieß es weiter. "In der uns verbleibenden Zeit können wir den Wettbewerb in diesem hochsensiblen Umfeld nicht auf eine Weise beenden, die als fair und objektiv betrachtet würde", teilte der Pentagon-Chef weiter mit.Ursprünglich war der Auftrag für 179 Tankflugzeuge im Wert von rund 27 Milliarden Euro Ende Februar bereits an EADS und dessen US-Partner Northrop Grumman gegangen. Boeing hatte den Zuschlag erfolgreich angefochten und eine Neuausschreibung erzwungen. Diese macht aber zum entscheidenden Kriterium, wie viel Sprit das Flugzeug transportieren kann. Boeing sieht sich im Nachteil, weil das bisher offerierte Modell auf Basis seiner 767-Reihe kleiner ist als die EADS-Variante eines Airbus A330.